svg+xml;charset=utf im Sex-Podcast Rein&Raus

Warum die Fähigsten oft am längsten auf Erlaubnis warten. Und warum ihre Zeit gerade jetzt beginnt.

 

In den letzten beiden Artikeln habe ich das behauptet:

  1. Dein Trauma ist dein Talent.
  2. Dein Survival ist der Skill.

 

Hier ist der Test, ob das stimmt:

Bist du zufällig anfällig für Themen rund um Spiritualität, Philosophie bis Psychologie?

Manche von uns wurden bereits durch ihre Eltern zwischen Kräutern bis Engelskarten geprägt, andere sind die erste Generation der Familie, die hinter den Vorhang der Realität blickt.

Egal wie – dein Interesse an diesen Themen ist kein Zufall. Die wenigsten Wirtschaftsprüfer werden die Tagebücher von Jiddu Krishnamurti lesen. Aber du hast einen Weg gefunden, der sich vielleicht in deinem Beruf zeigt. Du wurdest Kreative*r, Coach, Therapeut*in, Heiler*in, Helfer*in, Sozialarbeiter*in, und so weiter.

Oder dein Beruf beinhaltet viele Aspekte, die diesen Tätigkeiten ähnlich sind: motivieren, analysieren, aufmerksam zuhören, Muster erkennen, Blockaden lösen, Möglichkeiten eröffnen, Optionen finden.

Du hast das zum Beruf gemacht, was dich selbst beflügelt.

Irgendwann führt dich der Weg in die Selbsterkenntnis und vielleicht in das Gefühl, das weitergeben zu wollen, was dir geholfen hat.

Auch auf meinem Weg kam für mich die Inspiration, anderen das anzubieten, was mich selbst rettet. Am Anfang waren das für mich Gestalttherapie Abendgruppen, später kombiniert mit meinen Interessen aus Sex und Intimität.

Ich spürte von Anfang an, dass Gruppenprozesse unglaublich effektiv sind, weil sie viel näher an der Wirklichkeit unserer sozialen Wahrnehmung arbeiten, als ein isoliertes Zweier-Setting beim Therapeuten (das viele andere Vorzüge hat!).

Ich wusste durch meine Lehrer und Erfahrungen, dass emotionsfokussierte Prozessarbeit das ist, was zu echter Einsicht und Weisheit führt, statt zu mehr Gedanken und Konzepten, die nur Loopings im Kopf laufen.

2014 fing ich an, Gruppen zu organisieren. Darunter kreative Wochenend-Workshops, die aus einer Person ein Business-Modell machen (”Startup Your Life”) und Selbsthilfegruppen für Männer (”No More Mr. Nice Guy”).

Von Anfang an saßen da immer mindestens 15 Leute um mich herum.

Ich hatte einen Nerv getroffen. Technik und Talent haben ein Angebot gefunden, das auf die Wünsche und Bedürfnisse der Teilnehmer passte.

Bis heute hält das an, mit bis zu 500 Teilnehmern pro Jahr.

Irgendwann kommt der Moment, da willst du es versuchen.

Du hast genug gelernt und erfahren, du fühlst den Ruf, anderen etwas Wertvolles zu zeigen und dich dabei wertvoll zu fühlen. Vermutlich ist es unvermeidlich menschlich, das weiterzugeben, was uns selbst geholfen hat.

Doch dann folgt für viele ein innerer Widerstand, den konntest du vorher kaum vermuten:

Der hochsensible Imposter.

Ich kenne diesen Teil gut und habe über die Jahre immer wieder mit ihm gerungen – bis heute. Ich kann dir eine Geschichte erzählen, wie sich das gerade für mich zeigt:

Hier in Bali – vor allem in Ubud – ist bekanntlich das Mekka der alternativen Heilszene.

Hier kriegst du Energy Healing, Kundalini Kung-Fu, Chakra Booster, die De-Hypnose deiner Childhood Enmeshments durch Past Life Regressions oder mindestens dein Soul Code Cleansing mit der 1-minute Eyegazing Methode.

Ich liebe es, wie oft ich an meine Grenze komme und meine Ablehnung gegenüber scheinheiligen Heilern beobachten kann. Ein Teil in mir ist sich sicher, dass der Teilzeit-Pirat auf dem Poster jede Woche neue Begriffe erfindet, um eigentlich die Schlüpfer seiner Klientinnen zu stürmen.

Ich verurteile nicht nur den Scharlatan. Ich verurteile auch den Teil in mir, der sich nie trauen würde, so sichtbar zu behaupten, dass seine Arbeit wirkt.

Wann immer ich Begriffe wie Sacred, Energetic, Manifestation, Timeline, Alchemy, Holistic, Ceremony, etc. lese, kommt der Preuße in mir hoch und stichelt:

“Welche Ausbildung hat der eigentlich?”

“Wer hat ihre Eignung geprüft?”

“Ist das noch normal!?!”

Hier ist der eigentliche Deal:

Wenn die Vergangenheit deine Wahrnehmung geschliffen hat, bist du automatisch feinfühlig geworden.

Je sensibler du bist, umso öfter hast du Grenzüberschreitungen, Misstrauen, Vertrauensverlust gespürt. Du weißt, wie es ist, verletzt, überrumpelt, enttäuscht oder geschockt zu sein.

Im Kontrast zu deinen Erfahrungen entstehen teilweise deine Werte als Gegenteil, zum Beispiel: Gleichberechtigung, Ehrlichkeit, Fairness. Das sind Werte und irgendwie auch keine Werte, sondern oft ein Virenschutz deiner inneren Befürchtungen, nach außen gestülpt.

Fairness erscheint dir wichtig, weil du den Schmerz kennst, unfair behandelt zu werden.

Gleichberechtigung ist dir wichtig, wenn deine Schwester wohl immer den größeren Lolli bekommen hat.

Ich behaupte, dass so das Gift des Imposter Syndroms entsteht.

Gerade hochtalentierte und feinfühlige Menschen suchen oft nach Stabilität und Legitimation. In einer Gesellschaft, die Leistung belohnt, Fehler beschämt und Unsicherheit selten hält, verwechseln sie innere Autorität leicht mit äußerer Autorisierung.

Daraus entsteht ein Gefängnis. Denn du siehst dich und deine ehrlichen Talente, aber du bist gefangen im Kodex, dass es für die Berechtigung an deinem Wirken eine Legitimation braucht: den Nachweis.

Hier in Bali gibt es diesen Nachweis nur selten.

Jeder, der schonmal von der Spinne gebissen wurde, schwebt hier zwei Zentimeter über dem Boden durch das Netzwerk der Hochbegabten auch ganz ohne Ausbildung und Zertifikat.

Der Deutsche in mir sucht immer wieder vergeblich nach dem Ausweisbändchen um den Hals.

Dazu kommt, dass du ablehnst, was du selbst kaum ertragen kannst.

Die Welt scheint durchseucht von Influencern, die in den sozialen Medien zu Therapeuten mutieren.

Viele, die viel weniger wissen und können als du, erreichen Millionen, weil sie einen Wortsalat von Trauma bis Nervensystem in die Kamera halten.

Das erzeugt vielleicht Ablehnung und Ohnmacht in dir. Wie sollst du da mithalten, wenn du scheinbar mitmachen musst, was du grundsätzlich ablehnst?

Heilung wird bis zum letzten Tropfen ausgepresst, weil die ganze Welt den Saft will.

Mentale Gesundheit und Wohlbefinden sind ein Megamarkt. Ein Milliardengeschäft mit jährlichen Wachstumsraten von bis zu 12%.

Megamärkte sind Mainstream und diese leben von neuen Wortkreationen, Sensationen und Marketingmessages. Alles muss immer weiter intensiviert werden, um deine Aufmerksamkeit zu erhalten.

Du machst in Ubud nicht Breathwork, du machst eine Sacred Ancestors Ceremony. Du sprichst nicht mit einem Coach über Ziele, du machst einen Identity Timeline Shift. Deine Putzfrau macht mindestens Holistic Housekeeping Alchemy.

Je heiliger diese Wordings werden, umso mehr instagrammable sind sie, was ein Teil des Megamarktes ist. Die Teilnehmer solcher Angebote sind selten tief spirituell, sondern hoch gestylt und sehen irgendwie alle gleich aus. Die meisten hier segnen nicht ihr veganes Superfood vor dem Essen, sie huldigen ihrem Über-Ich als Gott.

Das hier ist Healing als Hologramm, die Inszenierung des Egos, das wir eigentlich mit der Heilung ablegen wollten.

Was sich daran so falsch anfühlt.

Je fremder die Worte und Angebote werden, umso stutziger sind Menschen, die wirklich feinfühlig und wach sind.

Das ist der Grund, warum du auf solche Worte nicht reinfällst, wahrscheinlich misstrauisch gegenüber edgy Titeln und sensationsgeilen Angeboten bist.

I get you.

Dich anvertrauen und dann enttäuscht werden – das hat viele von uns geprägt. Deshalb ist es auch das, was du auf keinen Fall anderen antun willst.

Das ist für mich genau das das Hochsensible-Hochstapler -Syndrom:

Nicht die Angst, ungenügend zu sein, als Lügner ertappt zu werden oder Schaden anzurichten – das kommt später.

Im Kern ist es:

Was dich unsicher macht, willst du anderen ersparen. Was du selbst meidest, willst du anderen nicht antun.

Früher hast du dir gewünscht, man ließe dir die Wahl, man würde dich nicht überrumpeln, überstimmen, übersehen.

Wenn du heute deine Bestimmung zum Beruf machst, entsteht ein Problem:

  • Du willst nichts verkaufen, du willst, dass Leute dich finden.
  • Du willst deine Arbeit korrekt machen, um bloß keinen Schaden anzurichten.
  • Du bist extrem vorsichtig, aber weißt, dass du dadurch wenig bewegst.

Hier ist der Plot Twist: Das ist egoistischer, als du denkst.

Nicht, weil du ein schlechter Mensch bist. Sondern weil deine Absicherung irgendwann wichtiger wird als die Menschen, denen du helfen willst.

Hilfst du, oder hältst du aus?

In allen diesen Themen geht es darum, dass du nicht angreifbar bist. Du versuchst, Teflon zu werden, damit nichts an dir kleben bleibt. Deine Absicherung wird wichtiger, als die Arbeit, die du eigentlich machen wolltest: dich in den Dienst derer stellen, die Hilfe brauchen.

In der deutsch(sprachig)en Zertifikats-Kultur bedeutet helfen nicht, hilfreich zu sein, sondern den Regeln zu folgen.

Wenn das für dich stimmt, fängst du nie mit deiner eigenen Methode an, weil im Hintergrund ein Vogel singt, dass du gar keine Psychologie studiert hast. Und wenn du dann Psychologie studiert hast, singt der Vogel, dass du keine Approbation hast. Und wenn du eine Approbation hast, singt er, dass du keine eigene Studie veröffentlicht hast. Und wenn du eine Studie veröffentlicht hast, singt er, dass sie peer-reviewed, aber nicht repräsentativ genug war.

Du denkst erst gar nicht an das, was hilft, sondern nur an das, was offiziell anerkannt ist.

Diese Kultur aus Zertifikatsangst und Urkundengehorsam ist eine Form von Egoismus, weil er sich mit Blättern zudeckt, um sich zu immunisieren – nicht, um anderen zu dienen.

Die beste Lösung, die ich dafür gelernt habe, ist pragmatisches Experimentieren.

Mein Angebot aus Fähigkeit und Fantasie auf den Markt werfen und schauen, was passiert.

So oder so überlebt kein einziger Business-Plan den Bodenkontakt mit echten Kunden, deshalb schöpft sich deine eigentliche Aufgabe nie nur alleine aus dir, sondern im Kontext der Realität anderer Menschen.

Im Ausprobieren bist du als Forscher/in im Experiment und du untersuchst, was für andere hilfreich ist. Du verlässt die German Angst, dass es dir “auf die Füße fallen” könnte und findest deinen Weg durch trial and error.

Statt dich vor einer ominösen Masse grauer Verwaltungsämter zu ducken, schaust du in die Augen derer, die vor dir sitzen.

Natürlich bildest du dich professionell weiter. Natürlich behandelst du nicht, was Behandlung braucht. Natürlich überschreitest du nicht den Rahmen deiner Kompetenz. Natürlich holst du dir Supervision, arbeitest sauber und verweist Menschen weiter, wenn es nötig ist.

Aber zwischen verantwortlicher Professionalität und lebenslanger Selbstverhinderung liegt ein riesiger Unterschied.

Durch die Anwendung mit dem Feedback-Loop der Realität, entwickelt sich erst ein eigener Stil – nicht durch den Fallback-Loop des Rechtlichen.

Die Kombination aus deiner Vergangenheit, deiner Wahrnehmung, Talenten und Fähigkeiten, gepaart mit professionellem Skill, ist das, was dich einzigartig und effektiv macht.

  • Wenn du nur auf deiner Vergangenheit hängst, bist du für immer der Patient.
  • Wenn du nur auf deiner Wahrnehmung hängst, zerdenkst du alles im Elfenbeinturm.
  • Wenn du nur auf professionellen Skills hängst, fehlt die Seele im Kontakt.
  • Wenn du alle drei kombinierst, wirst du richtig gut.

Denn genau deshalb wird deine Art von Arbeit in den nächsten Jahren wichtiger: Nicht, weil Menschen noch mehr Content brauchen. Nicht, weil sie noch mehr Wissen, Reels, Retreats, Newsletter oder Nervensystem-Posts brauchen. Sondern weil sie jemanden brauchen, der aus Information wieder Erfahrung macht.

Deine Zeit kommt gerade jetzt.

Nicht, weil die Welt noch mehr Coaches, Heiler, Therapeuten, Methoden oder Content braucht. Davon gibt es genug. Zu viel sogar.

Deine Zeit kommt, weil Menschen in den nächsten Jahren noch deutlicher spüren werden, dass Information sie nicht mehr rettet. Sie werden alles wissen, alles sehen, alles speichern, alles fragen können — und trotzdem nicht wissen, wie sie es leben sollen.

Genau dort entsteht der neue Hunger: nicht nach noch mehr Wissen, sondern nach Übersetzung. Nach Menschen, die aus Einsicht Erfahrung machen.

Ich sage eine post-AI Renaissance voraus, die gerade erst beginnt:

  1. Die Leute werden zukünftig so satt und gelangweilt von all dem Instagram Wissen, das sie nicht anwenden, dass das zu einer neuen Krise führt.
  2. Der fehlende Transfer von Fantasie in die Wirklichkeit wird durch Suche und Flucht neue Identitätskrisen im Eilverfahren erzeugen.
  3. Es gibt noch viel weniger verfügbare Therapieplätze und zudem weniger Geduld, Monate oder Jahre in Einzeltherapie zu investieren.
  4. Alle werden ihr Bali Healing Retreat, die stärkste Pflanzenmedizin und Kundalini Awakenings erlebt haben – und doch noch immer eigenverantwortlich leben müssen.
  5. Wir verlieren die Hoffnung, dass ChatGPT uns endlich sagen kann, was wir brauchen und entdecken die Realität, mit der wir aus dem Internet flüchten.
  6. In-Real-Life-Events (IRL) werden extrem nachgefragt sein. Der Markt ist irgendwann satt, immer mehr kleine Anbieter kochen ihr Süppchen. Aus wenigen Großen werden viele kleine Gruppierungen.
  7. Der Mainstream wird noch immer die Erlösung im großen Yoga Festival suchen. Die echten Krieger findest du im Shala ihres Ashtanga Gurus im Hinterhof (dazu nächste Woche mehr).

Wenn du deine persönlichen Talente und professionelle Fähigkeiten geschärft hast, wirst du Suchende in deinem Gebiet so abholen, dass sie sich endlich gesehen und verstanden fühlen, wie es Millionen passender Reels und Retreats nicht geschafft haben.

In der post-KI Renaissance werden diejenigen erfolgreich sein, die ihre Aufmerksamkeit konstant halten können, um Dinge im echten Leben (IRL) zu verwirklichen. Die, die wirklich helfen, Probleme lösen, Menschen verbinden, Durchbrüche erzeugen und sie auch in das Leben integrieren können.

Das wird nichts sein, für das du Millionen Aufrufe für deine 90 Sekunden Blabla brauchst. Du brauchst nur noch 1.000 treue Fans um dich versammeln, die von dir überzeugt sind.

Eintausend Leute, denen du so gut hilfst, dass sie gerne 1.000 Euro im Jahr dafür bezahlen.

Du wärst instant Millionär, mit deinem eigenen Business-Modell, für das es keine Urkunde und keine Zertifikate gibt.

Das Überwinden deines Imposter-Syndroms wäre keine Aufgabe mehr, weil du deine Stimme nicht an einen Markt anpassen würdest, den du eigentlich ablehnst.

Selbst wenn diese eintausend Fans nur 100 Euro im Jahr bezahlen, könntest du dich in Bali mit der Rikscha vom Bett ins Badezimmer fahren lassen, so reich wärst du hier.

Ein echter Guru, zehn Zentimeter über dem Boden schwebend im Netzwerk der Hochbegabten.

P.S.:

Falls du Pro bist oder semi-professionell Menschen hilfst oder helfen willst, sind die kommenden Texte für dich.

Ich arbeite an der MUTON School, die dir hilft, aus deiner Geschichte deinen Purpose, dein Wachstum und dein lebendiges, feueratmendes Business abzuleiten.

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