Das Gift von Konflikt in Gold verwandeln

Was dir kaum ein Paartherapeut sagen kann: Alles Wissen um Beziehungsmodelle, Bindungstypen und Kommunikation bringt dir absolut nichts – ohne diese Einsicht!

 

Die erste Instanz von Kommunikation ist das Unterbewusste.

Alles, was in uns wirkt – unbewusst, unterdrückt, kollektiv und tief in der sexuellen Psyche verstaut –, bestimmt, was wir nach außen tragen.

Neben allem, was wir sagen oder nicht sagen, tun oder lassen, was wir mit Körper, Blicken oder Gesten ausdrücken – alles das hat seinen Ursprung im Unterbewusstsein. Es formt Impulse, die dann bewusst oder unterschwellig sichtbar werden.

Ohne das tiefere Wissen um diese unbewussten Vorgänge sterben Beziehungen – manchmal schnell, manchmal langsam – einfach vor sich hin.

Du kannst dir alles Wissen über Beziehungsmodelle, Bindungstypen und Kommunikationstricks aneignen – doch ohne dieses Verständnis bringt es nichts. Denn zuerst sind es die Persönlichkeiten zweier Menschen, die mit ihren unterbewussten Mechanismen eine Dynamik erzeugen. Diese Dynamik beginnt immer bei jedem Einzelnen.

Das Wissen um Persönlichkeitsstrukturen hätte die Macht, weit mehr Beziehungen zu heilen – oder sie in Würde zu beenden –, als der Versuch, oberflächliche Reibereien zu beheben.

Doch genau an dieser Oberfläche drehen sich die meisten Paare im Kreis.

Wenn Menschen in Paartherapie gehen, dann oft mit der Idee: “Der andere müsste sich verändern.” Sie wünschen sich, dass ihr Partner perfekt in die Hügel und Kerben des eigenen Charakters passt – wie ein Puzzleteil. Und dann, ja dann wäre alles gut.

Das ist der Punkt, an dem wir anfangen, Lösungen zu suchen, um andere zu verändern.

Mit Tipps und Tricks. Mit Argumenten von Freunden oder Social Media. Mit Einsichten aus Büchern, die uns Sätze wie “HA! Kein Wunder, du bist ja auch ein vermeidender Bindungstyp!” in die Hand drücken – eine scharfe Waffe der Rechthaberei.

Behalte diese Waffe im Hinterkopf, während du die nächsten Abschnitte liest.

Du hast mich verletzt, und das macht mich geil.

Kein Mensch, der von einer giftigen Schlange gebissen wurde, ist ihr jemals hinterhergelaufen, um sie zu fragen, warum sie das gemacht hat und ihr zu erklären, dass er das nicht verdient hat.

Das Gift ist in ihm. Egal, wie unfair die Schlange war – es geht jetzt um Heilung, nicht ums Recht.

Doch in Beziehungen machen wir oft das Gegenteil. Nach einem Konflikt sitzen wir verwundet da, halten das Gift fest – als Beweis für unsere Unschuld.

Dabei gibt es eine spannende Frage, die dir mehr Einblick in deine Sexualpsyche gibt als jeder Fingerzeig auf deinen Partner:

Was, wenn das Gift dein eigentlicher Antrieb ist?

Hier hilft eine Einsicht von Sigmund Freud.

Freud erkannte, wie unser Ego alles für sein Überleben tut – vor allem, indem es den eigenen Schatten vermeidet. Ein wichtiger Mechanismus dabei ist die Reaktionsbildung. Sie beschreibt einen Abwehrmechanismus, bei dem ein unbewusster Triebimpuls ins Gegenteil verkehrt wird.

Zwei Beispiele:

Eine verheiratete Frau fühlt sich von ihrem Schwager sexuell belästigt, obwohl dieser nichts mit ihr zu tun haben will. Es ist vielmehr so, dass sie sich unbewusst in ihn verliebt hat. Das kann und darf nicht sein, denn sie ist ja verheiratet. Ihr eigener sexueller Wunsch wird auf den Schwager projiziert. Der unbewusste Trieb findet den Weg zur Reibung – jedoch statt durch Hingabe an den Trieb durch Reibung und Abwertung dieser “übergriffigen Person” pfui.

Ein Partner fühlt sich von seiner Freundin missachtet, wenn sie mit ihren Freundinnen feiern geht. Er fühlt sich hilflos und verlassen, aber diese Schwäche kann und darf nicht sein – er ist schließlich ein Mann! Die eigentliche Lust an dem Masochismus, von einer starken Frau gequält zu werden, erlebt er in der Reaktion durch kompensierende Macht: wenn sie das nächste Mal feiern geht, wird er ihre Koffer vor die Tür stellen!

Was können wir von der Reaktionsbildung ableiten?

Wenn du wieder und wieder das Gift eurer Beziehungs-Konflikte erlebst, ohne etwas zu verändern, bist in Wirklichkeit du es, die mit dem Gift der Schlange einen sexuellen Schatten erfüllt bekommt.

Es würde heißen, dass es eine unbewusste Agenda gibt, die den Schmerz zum Beweisführer deiner unbewussten Welt macht. Du hast dann einen bösen, komplizierten, quirligen Kink – etwas in dir wird genau durch den Schmerz auf einer anderen Ebene befriedigt.

Wenn ein unbewusstes Lebensskript in dir wirkt, dass du dich ohne Partner wirklich verlassen fühlst, gibt es da immer auch den Fokus auf das mögliche Verlassensein. Und was macht dieser Fokus auf Verlustangst, Ablehnung und Alleinsein?

Es hat einen natürlichen Drang, das Gegenteil zu erwirken, indem es den schlimmsten Fall abwendet – das ist seine Befriedigung.

Es liebt den Streit und das Gefühl von Verlassensein, weil es das nächste ist, das das Lebensskript befriedigt und in kleiner Dosis als sexuelle Erlebniskonserve erlebt wird.

Denke beispielsweise an eine Impfung, bei der du dich in kleiner Dosis dem Schlangengift aussetzt, um dem Fiebertraum näher zu sein.

Der Konflikt ist euer eigentlicher Kink.

Es ist ein radikaler Perspektivwechsel: Unsere unbewussten Skripte treiben uns oft dazu, genau das zu erhalten, was wir auf bewusster Ebene niemals wollen würden.

  • Frauen, die ihren Partner als Opfer abwerten, obwohl sie sich eigentlich einen starken Partner wünschen, aber aus Angst vor der eigenen Hingabe den Sadismus wählen.
  • Männer, die Frauen schlagen, weil sie sie einfach nicht lieben können, indem sie ihre Unterwürfigkeit ausleben, und sie stattdessen unter Kontrolle halten müssen.
  • Partner, die eigentlich verletzliche Nähe wollen, aber aus der eigenen Angst vor der Liebe nur im Streit wirklich zum Kontakt kommen.

Paartherapie? Funktioniert nicht ohne Sexualtherapie.

Auch ich kenne das. Es gab viele Momente, in denen ich mich großartig fühlte, meine Partnerin schlecht zu machen – sei es durch Strenge, Überforderung oder stille Erwartungen. Das war er: mein unbewusster, sadistischer Kink. Die dunkle Lust an Macht, die aus der Angst vor meiner eigenen Sexualpsyche in die Realität kroch.

Jetzt stell dir vor, wir sitzen in der Paartherapie. Meine Partnerin sagt: “Ich will, dass du lieb zu mir bist.” Und ich erwidere: “Das will ich ja, aber manchmal bin ich einfach gestresst.” Der Therapeut schlägt vor, von 10 bis 0 zu zählen, bevor ich etwas sage.

Klingt klug. Funktioniert auf dem Papier. Aber nur, wenn man einfach die gesamte Sexualpsychologie ausklammert.

In der Realität? Funktioniert nie!

Denn die Wahrheit ist: Wir erhalten immer genau das, was wir wirklich brauchen – bewusst oder unbewusst. Leider sind die meisten von uns nicht bewusst genug, um zu erkennen, dass das auch schmerzhafte, abwertende oder sadistische Schattenanteile beinhaltet.

Da sitze ich also, Mr. Nice Guy, von 10 bis 0 zählend, während meine dunkle Sexualpsyche ihren eigentlichen Nektar in diesem riesigen unsichtbaren Schwanz erlebt, der meine Partnerin auf alle mögliche Arten und Weisen aufspießen will.

Willst du wissen, warum nach Jahren von Konflikt und Stillstand Beziehungen in die Luft fliegen, statt den Krieg mit Fleischpeitsche und Gomorra in Bett auszutragen? Dann schau dir den unterdrückten Anteil von Sado und Maso in jedem einzelnen an und du hast des Rätsels Lösung.

Das Gift in Lust verwandeln.

Stell dir vor, dein Partner sagt:

“Ich bemerke in mir eine tiefe Lust, dich zu quälen. Wir können das unbewusst ausfechten – dann quäle ich dich mit Zynismus, Überforderung oder Ignoranz. Oder wir machen es bewusst: Ich binde dich ans Andreaskreuz, peitsche dich aus und lasse meinen dunklen Anteil leben.”

Und dann bist du dran: “Ich bemerke, wie sehr ich will, dass du leidest. Statt dich zu erziehen, lass uns herausfinden, wie ich dich in Lust unterwerfen kann.”

Das Gift wird transformiert. Der Schatten verliert seine Macht, weil er bewusst ans Licht gebracht wird.

Was wäre, wenn aus “Ich kümmere mich den ganzen Tag um den Haushalt, während du mit Freunden abhängst” ein “Knie nieder und lecke meine Füße” wird? Wenn aus “Du baggerst Kolleginnen an” ein “Ich fessele dich und zeige dir, wem du gehörst” wird?

Zwei, die das bewusst leben, könnten den Druck rausnehmen und das Gift in Gold verwandeln.

Die Geschichte endet bei dir.

Wenn du jedoch sagst: “Das mache ich nur, wenn er danach lieb zu mir ist”, bleibst du im alten Spiel. Du hältst das Gift in dir fest – als Rechtfertigung für deinen Schmerz.

Doch du hast die Wahl: Willst du weiter leiden? Oder bist du bereit, das Gift zu nutzen, um dein Beziehungsleben neu zu schreiben – in Lust und Bewusstheit?

 

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