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Ich behaupte, Sex ist Leben, ist Energie.

Das Thema Lebensenergie ist etwas, das in allen großen Lehren, Religionen und Weisheiten der Welt eine bedeutende Rolle spielt.

Die chinesische Tradition nennt sie Qi oder Chi, im Hinduismus und im Yoga nennt sie sich Prana, die esoterische Traditionen sprechen von Energiezentren, Chakren, der Aura.

Im Buddhismus wird die Lebensenergie mit dem Konzept des „Vigyan“ oder „Rigpa“ verbunden. Es ist das Bewusstsein oder das Wissen um die wahre Natur der Realität. Die Verbindung von Lebensenergie mit Bewusstheit wird als wesentlicher Bestandteil des spirituellen Wachstums und der Erleuchtung angesehen.

Ich würde sagen, dass Lebensenergie die kreative Lust, der Turn-on am vollen Leben und Erleben hin zum größten Glück und Liebe ist. Jeder Mensch, der schonmal heftig verliebt war, war gleichzeitig am Leben und kurz vor dem Tod durch Spontanverdampfung.

Wenn Lebensenergie nicht fließt oder fließen kann, sucht sie ihren Ausdruck in Ersatzsystemen. Das kann von Süchten bis Depressionen alles sein, das unsere Energie unterdrückt oder anderweitig verschwendet.

Meine Energie floss über Jahre in Filme, Fantasien und am Ende in ein Taschentuch.

Süchte sind aus dieser Sicht eine Kombination aus Suche und Flucht – etwas in uns ist zu viel. Wir wollen gleichzeitig von uns weglaufen und stecken mit der Suche selbst im Hamsterrad. Wir denken Sex sei wichtig, haben aber unsere Herausforderungen damit. Wir wünschen uns innige Beziehungen und finden uns in der Beziehung im Konflikt mit alten Geschichten. Wir wollen uns sexy und frei fühlen, erleben aber gleichzeitig Scham und negative Emotionen.

Was bleibt, ist das, was die Wissenschaft als kognitive Dissonanz bezeichnet. Es ist ein Widerstand, der in uns entsteht, weil unsere inneren Überzeugungen nicht mit der äußeren Realität übereinstimmen. Es gibt eine Lücke zwischen Gewünschtem und tatsächlich Erlebtem.

Die aufgewandte Energie fließt nicht in die Zukunft, sondern zirkuliert in uns und wird zum Druckkochtopf, bei dem das Deckelanheben schon gefährlich erscheint.

Die moderne Zivilisation hat auch in anderen Lebensbereichen zum Nachteil, dass wir immer wieder unsere Impulse, auf die unsere Energien hinweisen, deckeln, klein machen und verstecken müssen. Es ist kein Wunder, dass wir über die Jahre nicht mehr alles, was durch Impulse ohne Richtung in uns stecken bleibt, genau differenzieren können. Welchen Auslöser welche Emotion hat und warum wir fühlen, wie wir fühlen, ist oft unklar und in gordischen Knoten verschlüsselt.

Lebensenergie ist dann behindert, wenn wir statt konkreten Handlungen nur noch Blockaden oder die Angst vor der Angst verspüren. Dann halten uns sogenannte Basisängste auf, die viele kleine und alltägliche Situationen beeinträchtigen.

Wenn wir Pech haben, leben wir so eine unbewusste Agenda von Angst- und Schmerzvermeidung. Bereits CG Jung hat den bekannten Satz geprägt:

„Solange du das Unbewusste nicht bewusst machst, wird es dein Leben lenken und du wirst es Schicksal nennen.“

Wie sexuelle Blockaden Lebensthemen sind.

Wenn jemand in unseren Sex Workshops, Retreats oder im Sexcoaching fragt, wie er eine Sucht, Blockade oder Angst besiegen kann, frage ich immer nach dem größeren Rahmen:

Wie hast du gelernt, an deinen Impulsen zu zweifeln? Wann war der Moment, ab dem nicht mehr alles im natürlichen Fluss war? Welches negative Verhalten basiert auf welchem Glauben und wo entstand dieser Glaube?

Worauf wir achten, sind sogenannte offene Gestalten, also Themen, die wie nicht abgeschlossene Filme unserer Vergangenheit heute noch nach ihrer Erlösung suchen und so lange unsere Lebensenergie bündeln.

Angestautes müssen wir bearbeiten, wie eine riesige Flasche Cola, die geschüttelt in der Sonne lag: wir drehen den Kopf Stück für Stück auf, damit die Suppe nicht explodiert. Wir versuchen, die alten Situationen, Erinnerungen und deren Emotionen aufzuspüren, um sie Stück für Stück zu verarbeiten. So kommen wir Schritt für Schritt zurück zu unserer Lebensenergie, weil wir mit jeder Spannung, die sich entlädt, Kapazität für Neues befreien.

Wo uns zuvor ein großer Aufwand, unsere Emotionen und Spannungen zu managen, beschäftigt hat, wird wieder Neues möglich. Unsere Blick weitet sich, Vitalität und Inspiration sind wieder zugänglich, sie waren nie weg.

Warum nutzen wir Sexualität für diese Therapie?

Weil sie kulturell am meisten aufgeladen ist. Weil sie eine starke Verbindung zu den Basisängsten hat, weil sie der direkteste Kanal von Lebensenergie ist.

Wenn du psychisch und/oder physisch nackt bist, zeigt sich die Möglichkeit, eine Angst zu erleben und zu durchleben. Wir nutzen die Welle von Emotionen wie eine Welle beim Surfen, die wir anpeilen, reiten, wieder verlassen und danach im ruhigen Wasser genießen.

Wie jedes Aufbäumen gleicht der Vorgang einem Orgasmus, der sich auflädt, ausdrückt, entlädt und uns zufrieden und im friedlichen „Nullpunkt“ des Seins zurück lässt. Von hier aus wächst die Lust auf Leben, die Freude am Neuen und die Kreativität, die wir uns von externen Techniken und Methoden immer versprechen.

Das ist die Arbeit an der Lebensenergie, sexuelle Persönlichkeitsentwicklung.

Die Arbeit mit Sex und Emotion ist keine Methode, die dir Angstfreiheit versprechen will. Solchen Versprechungen sollten wir skeptisch gegenüber stehen, denn sie versprechen uns einen Zustand, der unserem Menschsein zuwider ist – uns mit Hoffnung von Angst zu Angst leiden lassen.

Angst können wir nie besiegen, wir können nur mit ihr wachsen. Mit jeder Angst, der wir uns stellen den Mut ihr gegenüber kultivieren. So wird jede Angst, Blockade oder negative Emotion kleiner, machbar für uns.

Was wächst, ist unser Bewusstsein, das Wissen um die wahre Natur von uns. Das, was unsere Energie verdeckt hat, wollen wir bearbeiten, damit wir frei und selbstbestimmt leben können, nicht der Vergangenheit unterliegen.

Aller Sex, die Liebe und Beziehungsfähigkeit wächst dann aus dieser befreiten Energie. Sex war nie das Problem, Beziehung war nie das Problem. Das Problem war das, was deine Lebensenergie unterdrückt und erst die Probleme mit den Lebensbereichen produziert hat.

So erkennst und nutzt du Sex als Lebensenergie im größeren Kontext deines Lebens.

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